Problemhund? – Nein Danke!

 

 

Sicher hast du einen so genannten Problemhund, wenn du auf diese Seite gehst. Auf die Schnelle kann ich dich nicht davon befreien.  Jede Situation ist anders und muss genau betrachtet werden. Aber ich kann dir einige Denkanstöße geben.

 

Es macht einen großen Unterschied, wie dein Hund in dein Leben getreten ist. Kam er als Welpe zu dir, und du hattest die Chance, ihn gleich richtig zu erziehen, oder hast du ihn zu dir geholt, als er schon erwachsen war und seine eigene Geschichte mitgebracht hat.

Der Welpe nimmt sehr schnell wahr, wie du "tickst" und passt sich an. Er durchlebt bis zum Erwachsensein mehrere Phasen, in denen er von dir liebevoll angeleitet werden sollte. Geduld, Konsequenz und Grenzen sind für seine bestmögliche Entwicklung von größter Bedeutung.

Das Spiel mit Gleichaltrigen ist ebenso wichtig wie die Erfahrungen mit erwachsenen Hunden. So lernt er auch die Hundesprache besser kennen und kann später kompetent mir anderen Hunden kommunizieren.

Auch fremde Menschen und vor allem Kinder sollten ihm nicht fremd bleiben. Er wächst sozusagen 2sprachig auf.

Der Besuch einer geeigneten Hundeschule bietet beides, Kontakt zu anderen Hunden und fremden Menschen. Die richtige Hundeschule kann man schon im Vorfeld suchen, es sollten dort kompetente Trainer arbeiten.

Werden in dieser wichtigen Lebensphase keine gravierenden Fehler gemacht, hat der kleine Kerl jede Chance auf ein tolles harmonisches Leben.

 

Anders sieht es aus, wenn dein Hund schon erwachsen war, als er zu dir kam. Er hat seine ganz eigene Geschichte mitgebracht. Vielleicht weiß man einiges über ihn, oder gar nichts.

Jetzt heißt es, ihn genauestens zu beobachten. An seinem Verhalten kannst du erkennen, wo seine evtl. vorhandenen Probleme liegen.

Mitleid ist fehl am Platz, das würde von ihm nur als Schwäche empfunden. Ein erwachsener Hund benötigt vom ersten Augenblick an klare Ansagen (auch wenn es verständlicherweise manchmal schwer fällt!) und Grenzen. Schon der erste Schritt ins neue Zuhause hat eine große Bedeutung für ihn. Er sollte völlig entspannt die Wohnung nach dir betreten. Es sollte eine Einladung zum Betreten der Wohnung sein. Damit machst du ihm klar: "Das ist meine Wohnung und hier gelten meine Regeln."

Nun geht es ans Kennenlernen. Ganz in Ruhe wird jeder Raum erkundet, immer muss er nach dir hineingehen. Erst dann präsentierst du ihm seinen Platz, der selbstverständlich schon vorbereitet sein sollte.

Die nächste wichtige Situation ist das Füttern. Aufregung darf nicht geduldet werden. In dem Fall wird so lange gewartet bis er sich beruhigt hat. (günstigstenfalls hat er sich gesetzt oder sogar hingelegt). Du wartest auf einen kurzen Blickkontakt und er bekommt seinen Napf vorgesetzt. So vermeidest du Futterneid und zeigst ihm, das ist mein Futter, und du bekommst es erst, wenn ich es dir gebe. Glaub mir, im Wolfsrudel geht es noch härter zu.

So, der Grundstein für ein gutes Vertrauensverhältnis ist damit gelegt. Es kann sein, dass dir viel, viel Geduld abverlangt wird, aber es zahlt sich aus.

Jetzt stell dir vor, du fängst bei Punkt null an. Um sein Vertrauen zu bekommen sind Spaziergänge sehr wichtig. Auch hier gelten Regeln: Du gehst als erster durch die Haustür nach draußen, er bleibt an lockerer, kurzer Leine hinter oder neben dir und darf erst an einer geeigneten Stelle frei (anfangs an einer 10m Leine) laufen. So erkundet ihr gemeinsam die nähere und immer weitere Umgebung.

Bei Situationen, in denen er Angst zeigt, gehst du ganz ruhig und ohne ihn zu bedauern weiter. Oft sind es Begegnungen mit Menschen oder andere Hunden, an denen du dann völlig entspannt vorbeigehst. Ein kurzer Ruck an der Leine, falls er sich zurückzieht oder auch aggressiv wird sollte genügen. Er lernt: Das ist nicht erwünscht. Das solltest du regelmäßig üben, damit es für ihn zur Selbstverständlichkeit wird.

Aggression ist nur ein Ausdruck eines Problems und nicht das Problem selber. Meist ist der Auslöser eine große Angst oder Unsicherheit. Durch dein ruhiges und selbstsicheres Auftreten signalisierst du ihm, dass er sich unnötig ängstigt. Mit der Zeit lernt er, dass er sich auf dich verlassen kann und baut Vertrauen auf.

Auch bestimmte Dinge können Angst auslösen. Da steht z.B. plötzlich eine Mülltonne, die war doch gestern noch nicht da... Es hat sich bewährt, durch gemeinsames "Erkunden" des Angstobjektes und dann fröhliches Weitergehen die Situation zu entspannen.

Ein häufiger Auslöser für Ängste sind Gewitter und Silvester. Deine Ruhe und Gelassenheit werden ihm zeigen: das sind normale Alltagserscheinungen. Mit der Zeit gewöhnt er sich auch daran.

 

Was aber tun, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, und du so einen kleinen Angsthasen oder sogar ein aggressives kleines "Monster" zuhause hast?

Ich kann verstehen, dass du frustriert bist, weil es nicht so klappt, wie du es dir  vorgestellt hast. Du willst doch nur in Harmonie mit deinem Hund leben. Oft hilft in solchen Fällen nur ein guter Hundetrainer (Menschentrainer) der dir den Weg aus diesem Dilemma zeigt und den Aufbau einer gesunden Vertrauensbasis zwischen dir und deinem Hund unterstützt.

Was kannst du selber tun, um die gewünschte Harmonie herzustellen?

Stell dir ganz genau bildlich vor, wie die bisher negative Situation sich positiv gestaltet. Wie soll sich dein Hund idealerweise verhalten? Wie sieht deine ideale Einstellung und dein ideales Verhalten aus?

 

"Die Realität folgt den Gedanken"

 

Danach gestalte die Situation wie ein Regisseur sein Theaterstück, und du wirst sehen, es verändert sich etwas ohne großartiges äußeres Eingreifen.

Im Laufe der gemeinsamen Jahre entwickelt sich so ganz nebenbei eine innige Vertrautheit zwischen deinem Hund und dir. Ihr benötigt dann keine lauten Worte oder starke Gesten mehr zur Verständigung. Alles wird harmonisch.

Noch eine Bemerkung: Diese Erkenntnisse lassen sich selbstverständlich auch eins zu eins auf menschliche Beziehungen anwenden.

Solltest du jetzt mit dem Kopf schütteln und denken: "Die hat gut reden, meine Erfahrungen sehen ganz anders aus." Glaub mir, es funktioniert man braucht nur ein wenig Geduld.