Rudel - Familie

 

Es wird bei Züchtern, in Werbesendungen usw. immer vom Familienhund gesprochen. Das ist eine sehr vermenschlichte Sichtweise, weiß doch der Hund nichts von dieser Vorstellung. Er ist in erster Linie Hund. Sicher ist der Hund ebenso wie wir Menschen ein soziales Wesen, er stammt ja auch vom Wolf ab, der ein sehr intensives Rudelleben führt. Dieser feste Zusammenhalt sichert ihm sein Überleben. 

 

 

Dank intensiver Forschung am Wolf, am Wildhund und am Haushund weiß man heute, dass noch einige Anlagen des Urvaters Wolf in unseren Hunden schlummern.

Halten wir mal fest: Vor dir steht zunächst einmal dein Hund als Individuum, dann kommt seine Rasse und als letztes der Wolf.

Das Individuum Hund besteht aus seinem persönlichen Charakter, er kann z.B. ein Sensibelchen sein oder einen Dickkopf haben, eine Frohnatur oder ein kleiner Miesepeter sein. Dieser persönliche Charakter ist zu einem gewissen Teil auch das Produkt aus seiner Rasse und dem Urvater Wolf.

Die Rasse spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ein Jagdhund hat nun mal seine von uns Menschen verstärkte Anlage, allem Beweglichen hinterherzujagen. Das ist sehr tief in seiner Natur verankert. Ein Hütehund wird seine Hüteleidenschaft nicht so einfach verleugnen können, und ein Wachhund ist nur schwer zu beruhigen, wenn sich in seiner Umgebung etwas Ungewöhnliches tut. So wertvoll diese Eigenschaften für gewisse Aufgaben sind, so schwierig  sind sie für Menschen, die einfach nur einen Familienhund suchen.

Das Wolfserbe tritt ganz deutlich bei Hunden in den Vordergrund, die ohne menschliche Zuwendung groß werden. Diese sind nur mit ganz großem Aufwand an ein normales Hundeleben zu gewöhnen.

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ähnelt aus Hundesicht der eines Rudelverbandes. Da Hunde ihr Leben lang in einer infantilen Rolle verbleiben, also aus Wolfssicht nicht erwachsen werden, sind sie existentiell von ihren Menschen abhängig und damit bestrebt, alles richtig zu machen, also zum Wohl des Rudels, der Familie beizutragen. Sie arbeiten mit Freude als Jagdhund, Hütehund, Schutzhund, Begleithund, Blindenhund, Spürhund, Rettungshund oder Assistenzhund. Die speziellen Anlagen für diese Aufgaben stammen wiederum aus ihrem Rasseanteil.

In den letzten Jahrzehnten hat sich unser Zusammenleben stark verändert. Menschen finden und trennen sich wieder, Familien fallen auseinander und es gibt immer mehr Singles. Ein Hund ist schnell angeschafft und häufig genug genauso schnell wieder entsorgt. Wie soll er damit umgehen? Er versteht seine kleine Welt nicht mehr, schließlich würde er niemals seine Familie im Stich lassen, selbst wenn es ihm dort nicht gut geht.

 

Ein Hund ist kein Möbelstück!!!