Abschied

 

Ich habe des Öfteren darüber nachgedacht, warum Hunde ein derart kurzes Leben haben, und bin zu dem Schluss gekommen, dass dies aus Mitleid mit der menschlichen Rasse geschieht; denn da wir bereits derart leiden, wenn wir einen Hund nach zehn oder zwölf Jahren verlieren, wie groß wäre der Schmerz, wenn sie doppelt so lange lebten?  (ST. BERNHARD VON CLAIRVAUX)

 

 

Ist dein Hund alt oder krank, wird die Angst vor dem allerletzten Moment immer größer. Eines Tages ist es dann so weit, die Stunde des Abschieds ist da. Vielleicht durfte dein Hund friedlich in deinen Armen einschlafen, oder er wurde von einem schlimmen Leiden gnädig erlöst.

 

Zurück bleibt immer die Trauer um den verlorenen Freund.

 

Plötzlich ist alles anders: das Körchen ist leer, keiner begrüßt dich mehr, wenn du nach Hause kommst, kein erwartungsvoller Blick, wenn gegessen wird, kein Nasenstubser mehr, der nach Streicheleinheiten fragt usw. Du kommst dir total allein vor und weißt nicht, wie du die entstandene Lücke füllen sollst. Das ist vollkommen normal.

Gib dir die Zeit, die du brauchst, um die Trauer zu bearbeiten. So wie du es machst, ist es richtig.

 

Auch Tiere trauern. Das habe ich sehr eindrucksvoll erlebt, als meine Perserkatze Brixie verstarb. Sie kam im Alter von 9 Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester Sarah zu uns. Fast verhungert, geschoren und total verängstigt wurden sie mir von einer Tierschutzorganisation übergeben. Als ich sie sah, brachte ich es nicht fertig, sie wieder fortzuschicken. Eigentlich wollte ich ja keine Perserkatzen, aber sie waren mit Hunden groß geworden, was ganz wichtig war, weil ja auch noch 2 Hunde bei uns lebten. Auch sie waren einmal Notfälle.

Brixie war ein richtig heißer Feger, so wuselig wie ihr Fell war auch ihr Charakter. Leider wurde sie nur 15 Jahre alt. Eines Tages, bis dahin ging es ihr richtig gut, legte sie sich in ihr Körbchen im Wohnzimmer und beschloss, nicht mehr aufzustehen. Sie wollte nichts trinken, nichts essen und nicht gestört werden. Das zeigte sie uns sehr deutlich.

Wir alle haben es respektiert. Sie atmete ruhig und lag entspannt einfach nur da. Das ging 3 Tage so, meine Sorge wurde immer größer, und ich schaute dauernd nach ihr. Die anderen Tiere waren seltsam ruhig und besuchten sie öfter. Am 3. Tag, ich war gerade wieder bei ihr,  seufzte sie einmal ganz tief und schlief friedlich ein.

Was dann geschah, hat mich sehr beeindruckt. Als erstes kam ihre Schwester Sarah, beschnüffelte sie sehr intensiv von allen Seiten und legte sich in ihrer Nähe hin. Dann ging mein großer Rüde zum Körbchen, beschupperte sie, ging um sie herum und legte sich in einiger Entfernung hin. Dackeldame Leslie war die letzte, die Zeremonie die gleiche.

Es herrschte eine, ja, ich kann es nicht anders beschreiben, andächtige Stimmung. Ich setzte mich noch eine Weile zu ihr, dachte über unsere gemeinsame Zeit nach, die ersten schlimmen Wochen und Monate, in denen sie sich zunächst erholen musste, ihren ersten Ausflug in die Freiheit (Garten), ihre Flausen, die in ihrem Kopf herumschwirrten. Nun lag sie da, regungslos und friedlich. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, ich werde sie nie vergessen.

Zwei Jahre später ging auch ihre Schwester Sarah. Ihr ganzes Leben war sie eine sehr "vornehme" tiefschwarze Katzendame, ganz anders als Brixie. Auch sie war nicht erkennbar krank,  bis zuletzt bezauberte sie uns durch ihre Anmut und Schönheit. Leider krampfte sie sehr stark, und ich musste sie von der Tierärztin erlösen lassen. Sie sollte nicht leiden, das hatte sie nicht verdient. Ihr kleiner Körper war vollkommen steif; während ich sie im Arm hielt, erlöste die Spritze sie von ihren Qualen. 

Dieses Mal reagierten meine beiden Hunde völlig anders. Vielleicht waren sie durch die Situation, dass eine Fremde anwesend war, irritiert. Sie nahmen kaum Notiz.

Einige Stunden danach hatte ich eine sehr seltsame Begegnung: Ich sah Sarah unter unserem Tisch verschwinden. Ich wußte zu der Zeit zwar schon, dass es derartige Phänomene gibt, hatte aber selbst so etwas noch nie erlebt.

Später erzählte mir mein Sohn, dass er Sarah vor seiner Zimmertür hat sitzen sehen. Sie war also doch irgendwie noch eine Zeit lang anwesend.

Viele Menschen machen ähnliche Erfahrungen, trauen sich aber nicht, darüber zu sprechen. Inzwischen gibt es auch einige Bücher*, die den Sterbeprozess bei Tieren beschreiben und analysieren.

Abschied nehmen, damit geht wohl jeder anders um. Der eine braucht eine lange Zeit, um sich wieder auf einen neuen Hausgenossen einzustellen, für den anderen ist es wichtig, dass die entstandene Leere so schnell wie möglich wieder gefüllt wird. Ich glaube, dass jeder genau seinen Weg, seinen Umgang mit der Situation finden kann. Es steht niemandem zu, sich ein Urteil über andere zu erlauben.

Auch der Umgang mit dem nun leblosen Körper ist individuell. Es gibt die Möglichkeit, sein Tier bei dem Tierarzt zu belassen oder ihn im eigenen Garten zu beerdigen (bitte bei der Gemeinde nach den gesetzlichen Bestimmungen erkundigen!). In den letzten Jahren sind Tierfriedhöfe entstanden, die eine gute Alternative bieten, wenn man selbst keinen eigenen Garten hat. Auch Krematorien gibt es inzwischen, sie sind aber noch dünn gesät.  Holland hat hier eine Vorreiterrolle übernommen.

Fazit: Schon bevor der Ernstfall eintritt, ist es ratsam, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*siehe Bücherliste