Der wahre Himmel

 

Ein alter Mann und sein Hund wanderten müde einen steinigen Weg entlang, der auf beiden Seiten von Zäunen gesäumt war. Endlich kamen sie zu einem weit offenen Tor. Gut gelaunt begrüßte sie der Wächter: “Willkommen im Himmel!“

Glücklich über diese Einladung wollte der alte Mann geradewegs mit seinem Hund eintreten, doch der Wächter stoppte ihn. „Hunde sind hier nicht erlaubt; Du musst Deinen Hund zurücklassen, wenn Du hinein willst!“

„Ohne meinen Hund? Auf keinen Fall! Er hat mich sein Leben lang begleitet, da werde ich ihn jetzt doch nicht im Stich lassen!“

„Wie Du willst, aber bedenke, wenn Du Dich hier am Tor nicht von Deinem Hund trennst, wirst Du bis in alle Ewigkeit auf diesem holprigen Wege wandern müssen. Willst Du all die Mühe und Qual auf Dich nehmen?"

Der alte Mann und sein Hund gingen weiter. Schließlich kamen sie an ein Stück Zaun, das heruntergetrampelt war; statt einer Pforte klaffte lediglich ein großes Loch.

"Entschuldige bitte“, sprach der Wanderer die weiß gewandete Person drinnen an, „mein Hund und ich sind müde, könnten wir vielleicht für eine kurze Zeit hineinkommen zu Dir und uns etwas im Schatten des Baumes dort drüben ausruhen?“

„Kommt nur herein, dort unter dem Baum ist auch Wasser; macht es Euch bequem!“

„Du hast nichts dagegen, dass ich meinen Hund mit hineinbringe? Vorhin hieß es, Hunde seien hier nicht willkommen.“

„Würdest Du Dich denn von Deinem Hund trennen?“

„Nein, niemals, deshalb bin ich vorhin auch nicht in den Himmel eingelassen worden. Da wandere ich lieber bis in alle Ewigkeit weiter. Mit etwas Schatten und Wasser wären wir für den Moment schon zufrieden, aber nur, wenn mein Hund an meiner Seite bleiben darf.“

Der Mann drinnen streckte dem Wanderer die Hand entgegen, kraulte dem Hund das Fell und lächelte: „Das vorhin war nicht das Himmelstor; da unten ist die dunkle Zunft zu Hause, die alle Leute zu sich holt, die ein komfortables Leben wünschen und dafür bereit sind, ihren besten Freund, den Begleiter ihres Lebens zu verraten. Gott würde nie erlauben, dass Hunde aus dem Himmel verbannt werden, denn er erschuf sie genau wie alle andere Kreatur. Warum sollte er Freunde im Tode trennen? Dass es überhaupt keinen Tod gibt, hast Du sicher auch schon bemerkt. Willkommen im wahren Himmel!“

                                    (Autor unbekannt)